Bahnhof Herstal
mit Hang zum
Skulpturalen

Die Herausforderung war gross: ging es doch vordergründig nur darum,
in Herstal/BE ein neues Bahnhofsgebäude zu errichten.

Unter städtebaulichen Aspekten sollten mit der Baumassnahme das Bahnhofsviertel aufgewertet, seine Anbindung zum Zentrum hergestellt und der Wohnwert für die Bewohner gesteigert werden. Für ihr im wahrsten Sinne des Wortes «wegweisendes» Konzept, dessen grundlegende Idee die Verlegung des Empfangsgebäudes auf die andere Seite der Gleisanlagen war, wurde die Arbeitsgemeinschaft dreier Büros – der Architekten SUM Project und ARJM sowie Arcadis Belgium als Statiker – mit dem «Grand prix d'architecture de Wallonie 2015» ausgezeichnet. Die Aufwertung des verwahrlosten Viertels um den Bahnhof herum setzt im Wesentlichen bei dem Brachland zwischen den Gleisanlagen und der Wohnbebauung an. Dessen grösstes Manko, nämlich seine starke Böschung, wurde aufgegriffen und durch gezielt angelegte Terrassen ins Gegenteil verkehrt. Höhenmässig korrespondieren die Terrassen mit den Niveaus des Neubaus. Solchermassen geordnet ist die lang gezogene Böschungskante nicht länger eine Zäsur, sondern geht nahtlos in den städtischen Raum über. Das kürzlich fertiggestellte Bahnhofsgebäude verbindet Unter- und Oberstadt: Mit einer begehbaren Dachterrasse und einem hoch aufragenden Turm vermittelt es zwischen den oben liegenden Gleisanlagen mit den Bahnsteigen und dem neuen, tiefer liegenden Bahnhofsvorplatz.
Eine Reihe rhythmisch vor die raumabschliessende Glasfassade gestellter Stützen weist auf den Haupteingang hin. Erst beim Betreten der Bahnhofshalle wird ersichtlich, dass ein Grossteil des Gebäudes in den Hang hineingeschoben wurde und damit von aussen unsichtbar ist. Die Form eines liegenden «U» fängt einerseits den Druck aus dem Hang auf und ermöglichte es andererseits, die vierte Fassade zum Stadtzentrum hin weitgehend zu verglasen. Der Turm, der gestalterisch als Landmarke fungiert, beherbergt eine Treppen- und Aufzugsanlage für die vertikale Erschliessung. Zur Ausbildung der Glasfassade des rund viereinhalb Meter hohen Empfangsgebäudes wählten die Architekten das hochbelastbare Stahlprofilsystem VISS TVS in 60 Millimeter Ansichtsbreite. Im unteren Bereich ist die Stahl-Glaskonstruktion als 350 Zentimeter hohe, einbruchhemmende Festverglasung (RC 2) montiert. Der Zugang er-folgt über zwei 230 Zentimeter hohe, vollverglaste zweiflügelige Türanlagen aus dem Stahlprofilsystem Janisol RC 3. Dieses Profilsystem wurde speziell für den Einsatz in hochfrequentierten Gebäuden konzipiert. Ein dritter Eingang – Zugang für die Mitarbeitenden – ist mit einem isolierten Paneel geschlossen.
Auch der Bereich über der 350 Zentimeter hohen Festverglasung wurde mit Paneelen geschlossen, was, zusammen mit Dachvorsprung, einen gewissen Sonnen- und Witterungsschutz bietet. Aber nicht nur das: Die Glasfassade mit den davor angeordneten Stützen stellt auch den Bezug her zum neuen Bahnhofsvorplatz, der – einschliesslich der von diesem Platz ausgehenden Strassen – als verkehrsberuhigter Geschäftsbereich angelegt wurde. Das Ziel, ein Bahnhofsviertel mit hoher Aufenthaltsqualität für seine Bewohner zu schaffen, haben die Architekten, dem Urteil der Juroren des Grand Prix d’Architecture der Wallonie zufolge, mit Bravour erreicht.
350
Zentimeter hohe Festverglasung

60
Millimeter Ansichtsbreite

Allfällige Bildbeschreibung
Bautafel
BAuherr
Stadtverwaltung Herstal
Architekten und Fachplaner
ARJM architecture SPRL, Brüssel (Bahnhofsgebäude) SUM, Brüssel (Aussenanlagen) ARCADIS Belgium S.A., Brüssel (Statik)
Stahlprofilsysteme